Früher als erwartet ist heuer in Osttirol/Oberkärnten der erste Influenzafall aufgetreten. Es handelt sich um eine Infektion mit einer Influenza A  H1N1v, also einem Nachkömmling jenes Stammes, der im Jahr 2009 als „Schweinegrippe“ bekannt wurde.

Die aktuelle infektiologische Lage in Osttirol:

Ein Blick auf 100 genau abgeklärte Infektionen der oberen Atemwege seit 1.10.2022 zeigt, dass sich die infektiologische Lage zunehmend normalisiert und einem postpandemischen Bild annähert:

43,8% der Infektionen waren durch Bakterien verursacht, überwiegend durch Streptokokken, Staphylokokken und, mit einigem Abstand, gramnegative Erreger wie Klebsiella pneumoniae.

20,8% waren auf Entero- und Rhinoviren zurückzuführen, diese sind derzeit der häufigste Grund für krankenhauspflichtige Infektionen der oberen Atemwege. Die Inzidenz ist seit September annähernd konstant, sollte in den nächsten Wochen allerdings zurückgehend.

SARS-CoV2 war für 10,4% der untersuchten Fälle verantwortlich, die Tendenz ist seit ca. einem Monat stark rückläufig. Die genetische Varianz der in Osttirol nachgewiesenen Coronaviren ist allerdings erstaunlich groß: Zwar sind alle sequenzierten Stämme aus Osttirol der Variante Omikron BA.5 (Pango-Nomenklatur B.1.1.529) zuzuordnen, es wurden aber 8 Subtypen identifiziert: BA.5.2; BA.5.2.1, BA.5.2.6, BA.5.2.26, BA.5.9, BF.7 sowie BQ.1.1 und BQ1.3. Diese hohe Varianz bestätigt neuerlich das Bild multipler Einschleppungen. Die genetischen Unterschiede zwischen den Subtypen sind allerdings gering.

Auf den Plätzen folgen Parainfluenzaviren (überwiegend Genotyp 1) mit 8%, Adenoviren mit 7,3% und RSV mit 6,25%. Adenoviren waren seit dem Frühsommer relativ stark vertreten und gehen seit August kontinuierlich zurück. RSV war im Herbst 2021 weit verbreitet und im letzten Jahr ein wesentlicher Grund für Krankenhauseinweisungen bei Vorschulkindern. Die Inzidenz war in diesem Jahr bisher auffallend gering, was der starken Vorjahrssaison und dem relativ warmen Herbst geschuldet war, seit Mitte November steigen die Fallzahlen allerdings und werden voraussichtlich auch in den kommenden Wochen zunehmen, ohne jedoch die Fallzahlen vom letzten Jahr zu erreichen.

Einzelne Infektionen mit Chlamydia pneumoniae und Mycoplasma pneumoniae sowie mit klassischen respiratorischen Coronaviren wurden ebenfalls nachgewiesen. Auch bei letzteren ist ein Wechsel des Genotyps zu verzeichnen: Während in der Saison 2021/2022 der Genotyp 229E in Osttirol vorherrschte, sind die derzeitigen Infektionen überwiegend auf den Genotyp OC43 zurückzuführen. Es handelt sich in beiden Fällen um bekannte, in regelmäßigen Abständen auftretende Erreger.

Was bedeutet das für die Wintersaison?

SARS-CoV2, „das“ Coronavirus wird uns also weiterhin begleiten, es nimmt allerdings keinen zentralen Platz im Infektionsgeschehen mehr ein. Es spricht also alles für einen aus infektiologischer Sicht „normalen“ Winter ohne weitreichende Restriktionsmaßnahmen.

Das bedeutet auch, dass man über eine Influenza- und Pneumokokkenimpfung nachdenken sollte.  Noch ist es sinnvoll, sich impfen zu lassen – die Impfung reduziert das Erkrankungsrisiko deutlich und beugt schweren Verläufen vor. Alte Menschen, Personen mit eingeschränktem Immunsystem und Angehörige von Gesundheitsberufen profitieren besonders davon – grundsätzlich aber jeder, der mit vielen Leuten in Kontakt kommt und in den nächsten Monaten keinen einwöchigen Krankenstand riskieren möchte. Erster Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt.

Ansonsten plädieren Experten dafür, Infektionskrankheiten ernst zu nehmen, aber nicht mehr exklusiv auf Corona zu schauen. Wer symptomatisch ist sollte ärztlich abgeklärt werden und das Infektionsrisiko für seine Umgebung möglichst gering halten – durch Krankenstand, wenn erforderlich, sonst durch Abstand halten, gute Händehygiene und, besonders bei produktiven Infektionen, durch korrektes Tragen einer gut dichtenden Maske. Dass symptomatische Personen Menschenansammlungen vermeiden und keinesfalls Tätigkeiten an Patienten oder mit hohem Übertragungsrisiko ausüben sollen versteht sich eigentlich von selbst.

Labor Dr. Walder